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Wieso hat Bundesrat Leuenberger keine Frau vorgeschlagen?

Lange hat sich Bundesrat Leuenberger hinter Claude Béglé gestellt. Doch am Dienstagabend kam plötzlich alles ins Rollen: Der Postpräsident nahm den Hut. Kaum Zwölf Stunden später hatte Bundesrat Leuenberger bereist seinen Nachfolger präsentiert.

Ist es Ihnen auch so gegangen wie mir: Eben erst habe ich mich mit dem Gedanken abgefunden, dass Postpräsident Claude Béglé so schnell nicht aus dem Amt scheiden wird. Bundesrat Moritz Leuenberger hat sich vor den Verwaltungsratspräsidenten gestellt und ihn lange gegen die Attacken der Medien und früherer Postkader verteidigte. Dann erfahren wir am Dienstagabend plötzlich vom Rücktritt des Postpräsidenten. Und einen halben Tag später zaubert unser Postminister schon einen Nachfolger aus dem Hut: Peter Hasler, den frühere Arbeiteberpräsidenten. Wir erfahren, dass Leuenberger bereits am 7. Januar beim früheren Arbeitgeberpräsidenten vorsondierte. Alles ein bisschen seltsam. Was kommt mir zu Peter Hasler in den Sinn? Er war sein Leben lang Verbandsfunktionär und hat in dieser Funktion auch am Sozialstaat gerüttelt. Er hat aber auch Hand geboten, dass die  Personenfreizügigkeit mit den EU Staaten durch flankierenden Kontrollmechanismen abgefedert werden. Weiter habe ich gelesen, dass Peter Hasler vor vier Jahren in einem Interview vorgeschlagen hat, die Schweiz müsse SBB und Post privatisieren – daran will er sich heute nicht mehr erinnern. Leider habe ich bis anhin wenig über Hasler und seine Einstellung zum Service public und zur Post als sozialen Arbeitgeber gelesen. Hier hatten wir von seinem Vorgänger wenigstens eine mündliche Zusicherung, die er im Juni 2009 in der

Verkehrskommission des Nationalrates abgab: keinen Kahlschlag beim Poststellennetz und keine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Ich hoffe, dass Peter Hasler diesen Zielen treu bleiben wird. Was können wir von Hasler erwarten? Er muss sehr schnell dafür sorgen, dass beim „Gelben Riesen“ wieder Ruhe einkehrt. Er muss aber auch kundenfreundliche Innovationen und neue zukunftstaugliche Modelle für die Post aufgleisen. Dies wird wohl auch dem früheren Arbeitgeberpräsidenten nicht leicht fallen. Gut möglich, dass dies Postminister Moritz Leuenberger und der Gesamtbundesrat nach der turbulenten Ära Béglé auch gar nicht mehr wollen. Sonst hätten sie sich bei der Suche für die Nachfolge für das Verwaltungsratspräsidium ein bisschen mehr Zeit gelassen. Dies wäre auch wünschenswert gewesen. So hätte sich der Bundesrat über die Rolle des Verwaltungsrates der Post grundsätzliche Gedanken machen können. Denn eigentlich gibt der Bundesrat die Strategie für die Post vor, und da kann man sich zu guter Recht fragen, welche Rolle der Verwaltungsrat als strategisches Gremium in einem solchen Unternehmen überhaupt inne hat. Es stellt sich die Frage, ob es nicht besser wäre, den CEO direkt dem Bundesrat zu unterstellen. Der Verwaltungsrat könnte in ein ExpertInnengremium umgestaltet werden, welches den Bundesrat berät. Schade, dass man die Chance für grundsätzliche Überlegungen nicht genutzt hat. Vielleicht hätte der Bundesrat dann statt eines Nachfolgers eine Nachfolgerin für das Präsidium gefunden. Eine Frau an der Spitze der Schweiz Post wäre doch endlich an der Zeit.

  

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