„Umweltfreundliche Autos?“
Vor einem Jahr konnte habe ich mich am Autosalon aus erster Hand informiert – etwas enttäuscht, wenn auch nicht wirklich überrascht, reiste ich damals im Zug heimwärts. Auch dieses Jahr scheint sich allem Anschein nach nicht Vieles verändert zu haben. Wie ich der Presse entnehme, gehen die Versuche der Konzerne, sich als grosse Umweltschützer darzustellen, weiter. VW z.B. startet eine „Elektrooffensive“ und will Elektroautos „für alle“ produzieren. Die VCS-Auto-Umweltliste beinhaltet dieses Jahr auch erstmals eine Liste mit Elektroautos. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass Elektroautos bald schon auf unseren Strassen anzutreffen sind. Doch der grüne Anstrich täuscht, die Farbe blättert beim zweiten Hinschauen rasch ab. Bis jetzt habe ich noch kein Elektrofahrzeug entdeckt, das wirklich serienmässig hergestellt wird. Die Modelle in der VCS-Liste werden dominiert von noch nicht serienmässig hergestellten Autos oder gar Zukunftsplänen. Die am Autosalon präsentierten Neuheiten sind praktisch alles nur „Concept cars“, deren Zukunft „on the road“ noch in den Sternen steht.
Dennoch ist ein Trend hin zum Elektroauto zu spüren – dies zieht andere Fragen nach sich wie das Bereitstellen der Infrastruktur zum Aufladen der Batterien und allem voran die Frage nach der Energieproduktion. Einmal mehr drängt sich für die Lösung die Förderung der erneuerbaren Energien auf.
Wie steht es sonst so mit dem Umweltbewustsein der Blechkarossenproduzenten?Erfreulich finde ich, dass die VCS-Liste, welche 1984 noch belächelt wurde, heutzutage Anlass für einen regelrechten Konkurrenzkampf ist. Dieses Jahr enttrohnte der Prius von Toyota erneut den Insight von Honda – mit einem noch tieferen Verbrauch und reduziertem CO2-Ausstoss. Toyota ist stolz auf die Platzierung, gehört doch das Umweltimage zu ihrer Marketingstrategie. Auch bei der Produktion agiert Toyota als Saubermann der ersten Garde (in der Liste des Verkehrsclub Deutschlands VCD).
Da hat schon ein Umdenken stattgefunden – herbei geführt durch das öffentliche Bewusstsein und den Druck von aussen. Denn das Saubermannimage scheint nicht durch und durch Toyotas Identität zu sein, stehen doch auf dem Stand gleich neben den Vorzeige Hybriden auch die dicken Benzinschlucker zur Schau. Der grüne Glimmer mancher Modelle täuscht halt nicht darüber hinweg, dass die Autokonzerne marktorientierte Firmen sind, welche ihr Angebot an der Nachfrage orientieren. Das mag vielleicht ernüchtern – doch gleichzeitig ist genau hier einer der effektivsten Punkte, um etwas zu erreichen. Während in der Politik nicht erst seit Kopenhagen in der Klimapolitik im Schneckentempo vorwärts gemacht wird – können wir mit unseren Einkäufen in allen Bereichen ein kraftvolles Statement für den Klimaschutz abgeben! Genau aus diesem Grund hat für mich die Auto-Umweltliste des VCS eine enorme Bedeutung, da sie einerseits die Kundinnen und Kunden aufklärt und ihnen andererseits auch Wissen und Argumente liefert.
Kommentare (1)
Peter Müller
sagte:

Und was ist mit der "grauen Energie" ?
Ueberall wir betont, wie umweltfreundlich die Hybrid-Autos sind. Dabei geht gerne vergessen, dass ein solches Auto, wie auch jedes konventionelle, zuerst einmal hergestellt werden muss und am Ende der Lebensdauer auch wieder entsorgt gehört.Während konventionelle Autos relativ einfach herzustellen sind, erfordert die Herstellung eines Hybriden wegen der Akkus einen massiv höheren Energieaufwand, sowohl bei der Herstellung und bei der Entsorgung. Studien haben gezeigt, dass ein Hummer punkto Energieverbrauch über die gesamte Lebensdauer nicht schlechter abschneidet als ein Hybrid-Prius.
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