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Noch sechs Monate bis zu den Nationalratswahlen
23. April – jetzt sind es noch genau 6 Monate bis zu den Nationalratswahlen. Gleichzeitig ist es genau 43 Jahre her seit der Besetzung der Uni Columbia in New York und bald 25 Jahre seit der Katastrophe in Tschernobyl. Was verbindet all diese Ereignisse? Politische Mobilisierung und Sensibilisierung der Bevölkerung.
Die Besetzung der Columbia University am 23. April 1968 ist nur eine von unzähligen Protestaktionen der 68er-Bewegung. Die 68er-Generation steht für die politische Mobilisierung für Friedens-, aber auch für Umweltthemen – ein damals neues, erst aufkeimendes Bewusstsein. Heute sehe ich mich als Zeitzeugin der Geburtsstunde einer neuen politischen Bewegung – einer kraftvollen Anti-AKW-Bewegung: 15-jährige Jugendliche haben eine Demonstrationen mit 1000 Leuten vor dem Bundeshaus organisiert, vor dem BKW-Gebäude haben sich vorwiegend junge Menschen niedergelassen zu einem friedlich-farbigen Protestcamp für die Stilllegung des Schrottreaktors Mühleberg, und es gibt viele weitere Beispiele. All dies gibt mir Hoffnung, dass sich die junge Generation für ihre Zukunft einsetzt, eine Zukunft ohne Atomkraftwerk. Und ich bin zuversichtlich, dass die Bewegung ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren wird!
Auch ich habe mich in den letzten Wochen intensiv mit dem Atomausstieg beschäftigt. Für die Sondersession im Nationalrat im Juni galt es Vorstösse einzureichen, und der definitive Text für die Volksinitiative „Für den geordneten Atomausstieg“ musste redigiert werden. Die Volksinitiative will den Atomausstieg mit einem verbindlichen Fahrplan in der Bundesverfassung festschreiben. Die Initiative ist aber auch das richtige Mittel, um Druck auf das Parlament zu machen, den Atomausstieg einzuleiten. Ich freue mich darauf, die Menschen auf der Strasse für diese Initiative anzusprechen. Ich werde alles geben, damit die Schweiz zur Aussteigerin wird.
Ich verstehe nicht, wenn man den Grünen vorwirft, unethisch aus der Katastrophe von Fukushima „Profit“ für die eigenen politischen Ziele schlagen zu wollen. Der Atomausstieg war seit jeher Teil des Grünen Programms. Weshalb sollten wir jetzt nicht mehr für unsere Ideale kämpfen? In der Weltgeschichte waren es oft grosse Ereignisse, welche das Bewusstsein der Menschen geprägt und zum Umdenken angeregt haben. Nach den Weltkriegen wurden zum Beispiel ein Kriegsverbot und die Menschenrechte ausgearbeitet. Ich erinnere mich an das Bewusstsein der Bevölkerung, die Atomstromproduktion nach der Katastrophe in Tschernobyl kritisch zu hinterfragen begann, nachdem in den 1970iger Jahren eine wahre Atom-Euphorie vorherrschte. Die Anti-AKW-Bewegung war leider nach 1986 nicht genug stark, um eine Energiewende einzuleiten. Ich bin jedoch überzeugt, dass dies heute anders ist. Wir kennen genügend Alternativen, um den Atomstrom mit umweltfreundlich produziertem Strom zu ersetzen. Und jetzt ist der Moment, da wir eine Chance haben gegen die Hochglanzprospekte der Atomlobby – jetzt müssen wir agieren !
Doch der Preis war zu hoch für die hoffentlich definitive Umkehr in der Energiepolitik. Der atomare Unfall in Fukushima wurde mittlerweile auf Stufe 7 eingestuft, dieselbe Stufe wie Tschernobyl. Was diese nackte Zahl alles bedeutet für die Menschen, die Natur und die Umwelt in der Region kann man noch nicht abschätzen. Doch die Atom-Katastrophe wird während Jahrzehnten radioaktive Spuren hinterlassen wie in Tschernobyl. Und viele Menschen werden nie mehr in ihre Wohnungen zurückkehren können.
Über Ostern werde ich an einer Parlamentarierreise nach Tschernobyl teilnehmen, welche von Green Cross organisiert wird. Wir werden uns vor Ort informieren, welche Auswirkungen die Atom-Katastrophe vor 25 Jahren auf das Leben der Betroffenen heute immer noch hat und wie sich Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt seither verändert haben. Am Montag, 25. April, werden wir an der Zeremonie zum Gedenken an die Opfer der Reaktorkatastrophe auf dem Friedhof von Slawutitsch teilnehmen. Am eigentlichen Gedenktag, dem 26. April, werden wir die nähere Umgebung des stillgelegten Atomkraftwerks besuchen.
Ich habe lange gewerweist, ob ich nach Tschernobyl reisen soll oder nicht, denn der „Katastrophen-Tourismus“ widerstrebt mir auch. Ich habe mich dann im Januar doch für diese Reise entschieden. Ich ahnte allerdings nicht, dass dieser Besuch in Tschernobyl leider nach Fukushima brennende Aktualität erhält. Ich bin nun gespannt, was uns erwarten wird. Green Cross wird uns sicher viele interessante Informationen vermitteln können. Diese Organisation gilt ja als "Rotes Kreuz der Umwelt" und engagiert sich seit Jahren für die Bevölkerung in Tschernobyl.
Ich werde sicher einen Beitrag zu dieser Reise hier im Blog veröffentlichen.
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