Kampfjet und Tourismus passen nicht zusammen
Die Kampfjet-Initiative, über die das Schweizer Stimmvolk am 24. Februar abstimmen wird, ist keine Armee-Abschaffungsinitiative! Die Initiative will auch nicht die Luftwaffe abschaffen, sondern nur Kampfjet-Übungen über Erholungs- und Feriengebiete einschränken.
Die Schweizer Illustrierte ist kein linkes Blatt. Sie konnte sich vor Ort überzeugen, was die Bewohner in der Region Brienz/Meiringen/Hasliberg aushalten müssen, wenn die Schweizer Luftwaffe den Krieg übt: „Das Brummen wird zu einem Grollen. Der Boden beginnt zu zittern,“ so beschrieb das Heft den Start eines Tigers. Die F/A-18 sind noch viel lauter. Und die neuen Jets, welche die Flugwaffe kaufen will, werden noch lauter sein als die F/A-18 Kampfjets.
Wir haben diese Flugzeuge nicht gekauft, damit das VBS so Teile der Bevölkerung gesundheitlich schädigt und ihnen die Lebensgrundlagen entzieht.
Am Tourismusgeschäft hängt in Brienz, Meiringen und im Hasliberg mehr als jeder zweite Brotkorb. Wir geben viel Geld aus, über Schweiz Tourismus, um auf der ganzen Welt Reklame für diese Region zu machen. Wir preisen sie weltweit an als Alpenparadies für Familien, Wanderer und Naturfreunde. Und dann kommt das VBS und stationiert ausgerechnet hier den lärmigsten Kampfflieger der Welt. F/A-18-Kampfjets und Tourismus passen nicht zusammen; daran gibt es nichts zu rütteln. Ökologie und F/A-18-Kampfflieger sind ebenfalls nicht miteinander zu vereinbaren. Ich brauche darum für die Beurteilung dieser Initiative keine grossen Zahlen sondern nur gesunden Menschenverstand. Und der sagt mir, dass ein Tourismusgebiet durch Kampfjetlärm stark beeinträchtigt wird. Ich frage mich, in welchem anderen Land dieser Erde die Luftwaffe über ihren schönsten Ferienregionen den Ernstfall probt?
Die Annahme der Initiative bedeutet aber nicht das Grounding der Schweizer Luftwaffe. Wer das behauptet, hat den Text dieses Volksbegehrens nicht durchgelesen. Denn es ist ja nicht so, dass die ganze Bergregion während 365 Tagen im Jahr touristisch genutztes Erholungsgebiet ist. Was genau Erholungsgebiet ist, müsste von Bund, Kantonen, Tourismus- und anderen interessierten Organisationen gemeinsam genau definiert werden. Wo und wann weiterhin mit Kampfjets geübt werden darf, müsste lediglich neu bestimmt werden.
Bereits während der Debatte im Nationalrat gab es eine Reihe von Vorschlägen, wie man die betroffene Bevölkerung vom Kampfjetlärm entlasten könne.
Aber das Militärdepartement und die bürgerliche Mehrheit haben alle Anträge von rot-grüner Seite abgeschmettert - obschon Franz Weber mehrmals und deutlich signalisiert hatte, dass er beim kleinsten Entgegenkommen bereit sei, die Initiative zurückzuziehen. Diese Chance wurde nicht genutzt. Stattdessen plant das VBS die Ausdehnung des Flugbetriebes in dieser Region.
Das Geschwätz, die ganze Schweiz sei schutzlos den Angriffen von Terroristen ausgesetzt und verliere ihre Souveränität, wenn die Initiative durchkomme, ist reine Angstmacherei. Ebenso die Behauptung der Initiativgegner, ein WEF, eine Euro 08 oder ein Papstbesuch in Bern wären ohne die Möglichkeit, den Luftraum zu schützen nicht möglich. Es ist doch lächerlich, dass wir uns eine superteure Luftwaffe leisten für die Bewachung des Luftraums während Wirtschaftskonferenzen wie dem WEF. Das VBS hat als Rechtfertigung für die Luftwaffe den Begriff „Luftpolizei“ erfunden. Ich verstehe nur nicht ganz, was die Jets genau machen als Luftpolizei. Und braucht es für diese Aufgabe als Luftpolizei wirklich lärmige F/A-18 Kampfjets?
Die Autobahnpolizei geht ja auch nicht mit einem Panzer auf Patrouille – trotz Hunderten von Verkehrstoten pro Jahr.
Kampfjets schaden massiv dem Tourismus, der Bevölkerung, der Tierwelt, dem Wert der Immobilien, bis zu den Steuereinnahmen der Gemeinden! Das muss aufhören! Darum lege ich mit grosser Überzeugung am 24. Februar ein JA zur Kampfjet-Initiative in die Urne.
Kommentare (2)
Lilian
sagte:

Nun ja...
Nun, es mag schon sein, dass die Starts der F/A 18 sehr laut und störend sein können - Für mich zumindest stellen sie keine extreme Belastung dar.Natürlich sind sie sehr laut, und es ist auch etwas unglücklich, den Flugplatz in den Bergen hinzustellen, da dort das Echo auch noch mitspielt, doch andererseits haben wir - nicht zu letzt wegen den Bergen, die den Start und das Landen sehr schwierig machen - die zu den Besten zählenden Piloten.
Ausserdem ist es für eventuelle Feinde schwierig, dort anzugreifen.
Nun, was ich eigentlich sagen wollte:
Kampfjets und Tourismus passen sehr wohl zusammen, schliesslich lockt das Axalpschiessen jedes Jahr so viele Touristen an, dass von Meiringen bis Interlaken praktisch überall voll Haus ist.
Nun, wie auch immer, die Abstimmung ist nun ohnehin vorbei.
Ich wollte dies jedoch nur angefügt haben.
F.Teuscher
sagte:

...
@lilian: Die Abstimmung ist vorbei, wie Sie richtig sagen. Ich habe es versäumt, auf Ihr Votum zu reagieren, wofür ich mich entschuldige. Auch ich möchte wie Sie noch etwas anführen: Bedenken Sie auch, dass der Fluglärm nicht nur die Toristinnen und Touristen stört. Die Gegend ist auch Lebensraum für die einheimische Bevölkerung. Dieser hat das VBS versprochen, das es ruhiger wird. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Auch von daher kann es nicht erstaunen, wenn die Bevölkerung von der Armee nicht das beste Bild hat.Kommentar schreiben
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