Geplante Steuerbefreiung für schmutzigen Raps-Diesel - noch mehr CO2 wegen den Biotreibstoffen
Mit dem revidierten Mineralölsteuergesetz sollen Treibstoffe aus Biomasse von der Mineralölsteuer bereit werden. Sie müssen aber Mindestanforderungen an den Nachweis einer positiven ökologischen Gesamtbilanz erfüllen.
Nun hat Bundesrat Merz die Ausführungsverordnung zuhanden des Bundesrates erarbeitet. Darin ist vorgeshen, auch Raps von der Mineralölstuer zu befreien. Damit erweist Bundesrat Merz der Umwelt und dem Klima einen Bärendienst. Er vergoldet einmal mehr die Landwirtschaftslobby. Der Bundesrat wird über diese Verordnung im Dezember entscheiden. Wenn er nicht zum Gesetzesbrecher werden will, muss er das Raps wieder aus der Liste der steuerbefreiten Rohstoffe streichen.
Bei der ganzen Diskussion um die Steuerbefreiung dürfen wir aber auch die grundsätzliche Diskussion zu Treibstoffen aus Biomasse nicht aus dem Auge verlieren.
Das Parlament hat im vergangenen März das revidierte Mineralölsteuergesetz verabschiedet. Damit sollen Treibstoffe aus Biomasse von der Mineralölsteuer bereit werden, wenn sie Mindestanforderungen an den Nachweis einer positiven ökologischen Gesamtbilanz erfüllen.
Nun hat Bundesrat Merz die Ausführungsverordnung zuhanden des Bundesrates erarbeitet. Diese hält fest, dass auch Raps steuerbefreit werden soll. Das ist völliger Unsinn, denn Raps-Diesel ist ökologisch sehr problematisch. Die Grundlagenstudie der EMPA kam zum Schluss, dass Raps-Diesel eine Umweltbelastung aufweist, die um 80% höher ist als diejenige von Benzin und sogar doppelt so hoch wie die Umweltbelastung von fossilem Diesel. Damit erweist Bundesrat Merz der Umwelt und dem Klima einen Bärendienst. Er vergoldet einmal mehr die Landwirtschaftslobby, die offensichtlich stärker ist als das Gesetz. Der Bundesrat wird über diese Verordnung im Dezember entscheiden. Wenn er nicht zum Gesetzesbrecher werden will, muss er das Raps wieder aus der Liste der steuerbefreiten Rohstoffe streichen.
Bei der ganzen Diskussion um die Steuerbefreiung der Treibstoffe aus Biomasse sollten wir die grundsätzlichen Überlegungen nicht aus dem Auge verlieren. Mit Biotreibstoffen lösen wir unsere Klimaprobleme nicht. Vielmehr schwindeln sie den Menschen vor, man könne ohne eine Verhaltensänderung das Ausmass des Klimawandels dämpfen. Es sind die Autokonzerne, welche für diese Treibstoffe die Werbetrommel rühren. Statt in leichtere und effizientere Fahrzeuge haben sie in den letzten Jahren hauptsächlich in die Forschung für Biotreibstoffe investiert. Die grossen europäischen Automobilkonzerne kommen weiterhin mit grossen Spritsäufern auf den Markt. Neue Konzepte für das Auto der Zukunft hat man keine in Europa.
Man hat aber mit grossem Aufwand die konventionellen Motoren für Biotreibstoffe umgerüstet. Biotreibstoffen werden mittlerweile grossflächig angebaut. In den USA ist es Mais, in Brasilien Zuckerrohr, in Europa und in der Schweiz Zuckerrüben und eben Raps. Mit „Bio“ hat das nichts zu tun. Die Lobbyisten für Biotreibstoffe verschweigen, dass die wachsende Produktion von Zuckerrohr, Mais, Raps zur Herstellung von angeblich sauberem Treibstoff eine grosse Mengen an fossiler Energie verbraucht - für die Herstellung von Dünger und Pflanzenschutzmittel zum Beispiel.
Oft werden 80 Prozent der gewonnen Bio-Energie vorher in Form fossiler Energie investiert. In Paraguay, in Argentinien und in Brasilien werden für den Anbau von Mais, in Indonesien und Malaysia für Palmölplantagen Regenwälder abgeholzt und abgefackelt. Durch Brandrodungen gelangen sehr grosse Mengen des in den Pflanzen gespeicherten Kohlenstoffs in die Atmosphäre. Unter den wachsenden Zuckerrohrfeldern in Brasilien leiden die Umwelt und die Kleinbauern. Der Verlust an Artenvielfalt ist dabei immens.
Aber es gibt noch ein anderes Problem. In dem wir Rohstoffe für Nahrungsmittel indirekt in den Tank füllen, werden Grundnahrungsmittel in den Entwicklungsländer unerschwinglich, weil als Folge des Booms die Preise bereits massiv gestiegen sind. In Mexiko ist Mais ein Grundnahrungsmittel. Aus Mais machen die Mexikaner Tortillas. Seit die USA aus Mais auch Biotreibstoff herstellt, ist der Preis dieses Grundnahrungsmittel um mehr als 50 Prozent gestiegen. Das führte in Mexiko zu Massenprotesten. Wir müssen uns also überlegen, für wen die Bauern auf der ganzen Welt produzieren sollen – für Menschen oder Maschinen?
Kommentare (8)
Casal
sagte:

Alternative?
Was ist dann die Alternative zu Erdöl und Agro-Treibstoffen?
Franziska
sagte:

Innovation und kreatives Denken
Es gilt unsere Mobilität zu überdenken. Müssen wir wirklich immer ins Auto steigen, wenn wir uns fortbewegen wollen? Ist der Weg tatsächlich nötig? Falls ja, könnten wir die Strecke nicht auch zu Fuss oder mit dem Fahrrad zurücklegen oder auf Bus oder Zug umsteigen? Die Automobilindustrie sollte mit Verbrauchervorschfiften dazu gebracht werden, dass sie nur noch Motoren baut, die wenig Treibstoff brauchen. Die Technologien sind längstens bekannt, wir müssen sie nur noch intelligent einsetzen.
Casal
sagte:

...
Ja,ja diese Fahrradfreaks. Die Menschen wollen autofahren. Das ist Fakt.
Silvan Fuchs
sagte:

Biotreibstoffe
Grüezi Frau Nationalrätin Teuscher.Seit ich das Buch von Herrn Kurt Rechtsteiner " Grün Gewinnt "
am durchlesen bin,
bin ich an meinen eigenen Energiekonsum dauernd am optimieren.
d.h.
Ich entsorge meinen Kunststoffmüll
bei Risi Zug zur Verölung
(gibt wieder Heizöl).
Keine Ferien mit dem Flugzeug.
Der eine PW Golf 2 Diesel
habe ich umgerüstet auf Speiseöl.
(altes Frittieröl)
Ich fuhr mit diesem Wagen in den
Tessin ohne einen Tropfen Diesel-
treibstoff.
Macht mir grosse Freude.
Die Russpartikel der Abgase sind weniger belastend und können auch durch einen Partikelfilter zurückgehalten werden.
Laut Elsbett .com könnte man einen Grossteil der Fahrzeugtreibstoffe über brachligendes Agrarland Europa und Osteurope gewinnen.
beachten Sie bitte elsbett.com
Klar bin ich Ihrer Meinung ,
dass man die Urwälder abholzt
ist eine Schweinerei und dann noch
zb. um Palmöl zu produzieren .
Und hier fängt nun mein Proplem
mit der Grünen Partei an.
Wenn man geradelinig den grünen Gedanken durchziehen will.
Muss man die Fliegerei (100'000 Starts pro Tag ) genau so anprangern.
Da habe aber ich den Eindruck,
dass Ihre Grüne Partei das bewusst unterlässt, um nicht Wählerstimmen zu verlieren.
Viel zuwenig wird aber auch die graue Energie beachtet.
Würde diese bei allen Produkten deklariert ,würde der evt. Käufer
sich das 2 mal überlegen , ob er das wirklich braucht.
Hochachtungsvoll Silvan Fuchs
Ben Palmer
sagte:

...
"Müssen wir wirklich immer ins Auto steigen, wenn wir uns fortbewegen wollen?"Woher haben Sie die Gewissheit, dass das der Fall ist? Ist das nicht eine allzu einfache Unterstellung und vor allem Verallgemeinerung?
"Die Automobilindustrie sollte mit Verbrauchervorschfiften dazu gebracht werden, dass sie nur noch Motoren baut, die wenig Treibstoff brauchen." Sind Sie der Ansicht, dass das nicht schon seit Jahren versucht wird? Wenn niemand. Der Verbrauch ist nicht allein massgebend, sondern auch die Kilometerleistung.
"Die Technologien sind längstens bekannt, wir müssen sie nur noch intelligent einsetzen."
Wenn Sie glauben, dass die Grünen intelligenter sind als die Automobilindustrie, warum bauen denn die Grünen nicht den "Volkswagen"?
Es wäre interessant, zu erfahren, welche Automarken von den Grünen gefahren werden und wieviele km sie im Jahr zurücklegen. Was halten Sie davon, diese Informationen auf Ihrer Website zu publizieren, Frau Teuscher? Sozusagen als leuchtendes Beispiel.
Ben Palmer
sagte:

Frittieröl?
@Silvan Fuchs: Eine interessante Lösung, um die Treibstoffabgaben zu umgehen!Woher wissen Sie, dass der Schadstoffausstoss geringer ist, haben Sie das gemessen?
Ben Palmer
sagte:

...
Sie schreiben: "Die Lobbyisten für Biotreibstoffe verschweigen, dass die wachsende Produktion von Zuckerrohr, Mais, Raps zur Herstellung von angeblich sauberem Treibstoff eine grosse Mengen an fossiler Energie verbraucht"Im "Grundlagenpapier
zur Energiepolitik der
Grünen Partei der Schweiz, 2005" scheinen die Grünen selbst diese Lobbyisten zu sein:
"Die dritte Möglichkeit, Energie aus Biomasse zu gewinnen, ist die Herstellung von Biotreibstoffen, wie beispielsweise Biodiesel, aus Raps, Chinaschilf oder Holz. Das grosse Potential liegt hier leider nicht in der Schweiz – sondern im weit entfernten Brasilien und Kuba, wo durch die Zuckerproduktion riesige Mengen verwertbare Biomasse anfallen."
David Dimitri
sagte:

biodiesel ist nicht = planzenöl
Grüezi Franziska Teuscher Ich glaube, das Volk versteht den Unterschied zwischen Pflanzenöl und Biodiesel zu wenig. Pflanzenöle sind im reinen unbehandelten Zustand CO2- neutral, frei von Schwefel und anderen Umweltgiften. Das Pressen in der Mühle ist ein einfacher Prozess und braucht wenig Energie. Problematisch ist das "Biodiesel", denn es wird chemisch aufbereitet!!! Ein teurer Prozess und verbraucht viel Energie. Oft wird in dieses Produkt auch noch Fossil-Treibstoff beigemischt. Den Einsatz von einheimischem Rapsöl oder von dort stammendem Rapsöl wo grosse Landflächen brach liegen sehe ich jedoch als unproblematisch, denn Raps kann sowieso nicht Jährlich auf dem selben Acker angeplanzt werden (Monokultur). Somit fällt unsere Landwirtschaft auch nicht gleich aus dem Gleichgewicht. Ich finde es richtig, dass wir nicht aus Südamerika Planzenöl importieren sollten, da bin ich mit Ihnen einig. Jedoch in gezieltem und angemessenem Mass kann es doch für eine Diversifizierung im "Pflanzenöl-Sektor" durchaus auch Platz haben? Oder liege ich da falsch.Herzlich
David Dimitri
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