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Genug abgezockt in den Chefetagen

Wir sind nicht erst seit der UBS-Krise mit Lohnexzessen und mit einer unsäglichen Bonikultur in den Teppichetagen konfrontiert. Ich erinnere mich, dass 1996 der damalige Verwaltungsrat von Saurer unverschämt hohe Honorare einstrich. Das sorgte in den Medien für Aufruhr. Heute diskutieren wir erneut über Abzockerei in den Chefetagen. Ich bin froh, dass die Stimmbevölkerung bei der Abstimmung über die Abzocker-Initiative dazu das letzte Wort haben wird.

Die Entschädigungen des Verwaltungsrats von Saurer betrugen 1996 bis zu einer Million Franken pro Jahr und wurden erfolgsunabhängig ausbezahlt. Sie betrugen ein Vielfaches der Honorare von Nestlé. Dabei richtete Nestlé mit damals rund 262‘500 Franken die höchsten VR-Honorare der Schweiz aus.

Im Zuge der Globalisierung hat sich die Abzockerei in den Chefetagen zu einer flächendeckenden Seuche entwickelt. Die schnelle Rendite durch Optionen ist attraktiver als mühsame Gehaltsjahre auf Schleudersitzen. Und wenn diese Topmanager in die Wüste geschickt werden, dann wirft man ihnen - wie bei der UBS - die Millionen nach. Verantwortung müssen die Manager nur in seltenen Fälle wirklich tragen.

Für die Machenschaften der Managerklasse zahlen Menschen mit Erwerbslosigkeit. Für jede Umstrukturierung, welche das oberste Kader reicher und reicher macht, und die auch Hunderten der Job kostet, kommt am Ende die Gesellschaft, der Staat, auf. Die Defizite der Arbeitslosenkasse steigen. Die Zahl der Sozialbezügerinnen und – bezüger wächst an.

Es ist nicht mehr Privatsache, wenn hunderte von Menschen auf die Strasse gestellt werden, der Staat mit Milliardenspritzen einspringen muss, während die Schuldigen am Desaster mit Millionen-Abfindungen in Pension gehen. Die Menschen in der Schweiz haben genug von dieser Politik. Sie wollen keine Abzocker mehr. Darum ist es nötig und wichtig und richtig, dass wir über die Abzocker-Initiative abstimmen. Die Schweizer Stimmbevölkerung soll sich darüber aussprechen, was sie von Jahresgehältern um die 40 Millionen Franken haltet, wie zum Beispiel jenes des Novartis Chefs. Natürlich heisst es immer, solche Saläre seien die Ausnahme, das Gros der Unternehmen zahle ihren Top-Management vertretbare Kader.

Die Schweizeriche Handelszeitung führt seit Mitte der neunziger Jahre eine Statistik über die Gehälter in den Chefetagen. In dieser Zeitspanne hat sich das Durchschnittsgehalt der Geschäftsleitungsmitglieder von einer Million auf weit über zwei Millionen Franken verdoppelt. Welcher Normalbürger und welche Normalbürgerin kann von sich behaupten, dass sich ihr Einkommen in der gleichen Zeitspanne praktisch verdoppelt hat? Seit der Jahrtausendwende sind die Saläre der 50 bis 60 grössten Schweizer Unternehmen um jährlich 15 bis 17 Prozent gestiegen. Im Krisenjahr 2008 betrug das durchschnittliche Salär eines Geschäftsleitungsmitglied 2 Millionen Franken. Das sei halt der Markt höre ich ständig. Aber welcher Markt?

Die Schweizer Topmanager verdienen heute im Schnitt um einiges mehr als in anderen europäischen Ländern. Ich glaube nicht, dass diese Leute auswandern würden, wenn man ihre Bezüge auf ein vertretbares Mass zusammenstreichen würde.

Ein ganz gescheiter Vertreter der Managerklasse hat kürzlich in der Sendung Club des Schweizer Fernsehens gesagt, wenn man anfange, den Managern am Salär herum zu flicken, müsse man auch bei Leuten, wie der bekannten Sängerin Tina Turner, das Einkommen begrenzen. Eine Sängerin verdient nur dann mehr als andere, wenn ihre Songs vielen Menschen besser gefallen als die Musik von anderen Künstlerinnen und Künstlern und wenn sie dann die CD‘s auch kaufen. Bei den Topmanager ist wirtschaftlicher Erfolg nicht ausschlaggebend für die Höhe des Salärs. Das haben wir in der Vergangenheit zu Genüge gesehen.

Kommentare (4)

Salärhai sagte:

...

Was ich mich wundere ist, dass die Menschen in diesem Lande relativ gelassen dabei zuschauen, wie sie von einer Managerklasse gerupft werden. Jede Umstrukturierung lässt das Heer der Arbeitslosen und Sozialhilfebezüger ansteigen, während die Boni in den Teppichetagen anschwellen. Und hintendrein streicht man den Opfern noch das absolute Minimum zum Überleben. Eben wieder geschehen bei der Revision der Arbeitslosenversicherung.
13. März 2010

Mario sagte:

Grün denkt nicht wirtschaftlich

Die Anwohner im Ostring Nord werden seit mehreren Jahren durch Bauarbeiten der EWB unverhältnismässig belästigt. Durch Lärm, Staub und Verkehrsbehinderungen (auch für Fussgänger). Die Strassen werden 3 x aufgerissen und nach jedem Verlegen von Leitungen wieder geschlossen und der Belag jedes Mal definitiv erneuert inkl. Markierungen. Ein Paradebeispiel wie Anwohner und Umwelt durch schlechte Planung über ein vertretbares Mass strapaziert und wie finanzielle Mittel verschleudert werden. Der Clou:
Frau Teuscher (grün) sitzt im Verwaltungsrat der EWB. Hoffentlich darf sie dort ihre "markante" Stimme auch mal tadelnd einbringen.
08. April 2010

f.teuscher sagte:

...

@Mario: ich habe mich bei ewb erkundigt, wie es um Ostring Nord steht. Hier die Antwort:
"Wir bedauern die Unannehmlichkeiten in Bezug auf die Bauaktivitäten von Energie Wasser Bern. Gerade im Gebiet Ostring Nord waren in letzter Zeit leider viele Baumassnahmen notwendig (Erneuerung Stromnetz, Sanierung Erdgas– und Wasserleitungen). Als Querverbundsunternehmen koordinieren wir die Erdgas-, Wasser- und Elektroprojekte wenn immer möglich. Alle Massnahmen zielen darauf ab, unsere Kundinnen und Kunden zuverlässig und in einwandfreier Qualität mit Energie zu beliefern und somit die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die Bedürfnisse der Anwohnerinnen und Anwohner versuchen wir zu berücksichtigen. Leider sind bei Bauarbeiten Unannehmlichkeiten wie Lärm und Staub kaum zu vermeiden.
Ein kleiner Lichtblick: Die Leitungssanierungen werden 2010 abgeschlossen."
09. April 2010

mario sagte:

...

Die lakonische Antwort der Kommunikationsverantwortlichen EWB habe ich per E-Mail ebenfalls erhalten. Auf das eigentliche Problem Planung/Wirtschaftlichkeit) wurde erwartungsgemäss nicht eingegangen. Für mich ist der Fall erledigt.
18. April 2010

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