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Frauenblick zum 14. Juni

Ruhe ist erst zu geben, wenn das Merkmal Geschlecht in der Wirtschaft dieselbe Rolle spielt wie jenes der Augenfarbe.

An den ersten Frauenstreiktag vor 16 Jahren denke ich gerne zurück. Ein paar Freundinnen und ich schmückten eine Kutsche mit Ballonen, hielten Transparente mit unseren wichtigsten Forderungen in die Luft und liessen uns von einem Kutscher einen halben Tag durch die Stadt Bern kutschieren. Wir wollten einmal Königinnen sein und einfach nur geniessen. Statt den Leuten am Strassenrand zu zuwinken verteilten wir Flugblätter mit den Forderungen des Frauenstreiktags. Wir hatten enormen Spass – sogar der Kutscher machte frohe Minne zum doch etwas bösen Spiel – zumindest aus seiner Sicht.

Früher einmal….Wussten Sie, dass mutige Burgdorfer Frauen 1388 einen Angriff österreichischer Adeliger erfolgreich abwehrten und als Dank eine "Hühnersuppe" von den bernischen Schultheissen bekamen? Wussten Sie, dass 1937 die Uhrenarbeiterinnen in der Bieler Zifferblattfabrik „La Métallique“ für höhere Frauenlöhne kämpften und ihre männlichen Kollegen arg in Bedrängnis kamen, weil sie den Arbeitsfrieden abschliessen wollten? Wussten Sie, dass Bern die erste Stadt der Schweiz mit der ersten öffentlichen Frauenbadeanstalt war?

Und heute: Wissen Sie, dass Frauen heute immer noch einen Fünftel weniger verdienen als Männer? Wissen Sie, dass die Schweiz auf Rang 27 der Länderliste „Frauen im Parlament“ der Interparlamentatischen Union liegt, und Ruanda dank einer gesetzlichen Quote Rang 1 besetzt, gefolgt von Schweden. Wissen Sie, dass in den Geschäftsleitungen der grossen Wirtschaftsunternehmen der Schweiz nur 3% Frauen anzutreffen? Daher will ich am heutigen 14. Juni vom Bundesrat wissen, was er tun will, um diesem Missstand in der Wirtschaft zu beheben. In der Gleichstellungspolitik orientiere ich mich immer an einem Zitat der emeritierten Zürcher Ökonomin Heidi Schelbert-Syfrig: „Ruhe ist erst zu geben, wenn das Merkmal Geschlecht in der Wirtschaft dieselbe Rolle spielt wie jenes der Augenfarbe“. Ich füge hinzu: dies gilt nicht nur für die Wirtschaft sondern auch für die Bildung, die Politik und die Medien. 

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