Ein Ziel: gleichviel
Meine Rede am heutigen Frauenstreiktag sowie Karten von Aline Trede's und meiner Aktion für mehr Powerfrauen im Nationalrat:

An denersten Frauenstreiktag vor 20 Jahren denke ich gerne zurück. Wir FachfrauenUmwelt mieteten uns eine Kutsche in Bern, schmückten sie mit Ballonen, hieltenTransparente mit unseren wichtigsten Forderungen in die Luft und liessen unsvon einem Kutscher einen halben Tag durch die Stadt Bern kutschieren. Wirwollten einmal Königinne sein und einfach nur geniessen. Statt wie die Royalsden Leuten am Strassenrand zu zuwinken verteilten wir Flugblätter mit denForderungen des Frauenstreiktages. Wir hatten enormen Spass – sogar derKutscher machte frohe Minne zu unserem lila-bunten Spiel. Nach dem 14. Juniwechselten wir von unserer Königinnenrolle wieder zu Schwerarbeiterinnen inSachen Gleichstellung. Denn in Sachen Gleichstellung wird uns nichts geschenkt!
Dankunserem beharrlichen und konsequenten Engagement gibt es in der Schweiz seit2004 endlich die Mutterschaftsversicherung. Wir haben einGleichstellungsgesetz, das die tatsächliche Gleichstellung garantiert. Und esist auch der Jahrzehnte langen Arbeit der Frauenbewegung zu verdanken, dass wirheute ein Frauenmehrheit im Bundesrat haben.
Geradein den letzten Jahren kam ich vermehrt zu hören, dass wir ja die Gleichstellungerreicht hätten und dass es nun in erster Linie darum gehe, mit den Männernzusammen die Gleichstellung umzusetzen und zu leben. Selbstverständlich freueich mich, dass junge Väter Teilzeit arbeiten wollen, um mehr Zeit für ihreRolle als Vater zu haben. Selbstverständlich begrüsse ich das Engagement derMänner für einen Vaterschaftsurlaub für alle. Doch um die Gleichstellungtatsächlich umzusetzen, braucht es als Basis die Lohngleichheit. Und da sind wirbei weitem noch nicht am Ziel.
Daverlange ich von den gleichstellungsengagierten Männer noch mehr Unterstützung.Denn noch immer sind die Chefs in den meisten Unternehmen und Verwaltungen nochMänner. Sie haben es in der Hand die Löhne zu überprüfen und die Lohngleichheitdurchzusetzen. „Lohnmässig sind wir Frauen saumässig schlecht dran“ stand 1991auf einem Transparent, und das gilt heute leider immer noch. DerLohnunterschied zwischen Frauen und Männer beträgt auch heute noch 19.8%. –Bildlich gesprochen heisst das: die Frauen arbeiten zwar 5 Tage, erhalten abernur Lohn für vier Tage. Die gut bezahlte Arbeit ist einseitig zu Gunsten derMänner verteilt, bei der unbezahlten Arbeit leisten die Frauen hingegen das Doppelte!Der durchschnittliche Nettolohn bei Frauen liegt bei 3745 Franken, beiMännerlohn bei 6427 Franken. Um die tiefen Frauenlöhne anzuheben müsst ihr alledie Mindestlohninitiative der Gewerkschaften unterschreiben. Mit dem heutigenFrauentag setzen wir die Lohngleichheit einmal mehr auf die politischeTraktandenliste. Am 8. März haben wir grünen Frauen den Bundesrat aufgefordert,eine unabhängige Lohngleichheitskommission einzusetzen, welche dieLohngleichheit einfordert. Denn schliesslich ist der Bundesrat in der Pflicht,denn in der Bundesverfassung steht klipp und klar: Mann und Frau sind gleichberechtigt. Das Gesetzsorgt für ihre rechtliche und tatsächliche Gleichstellung, vor allem inFamilie, Ausbildung und Arbeit. Mann und Frau haben Anspruch auf gleichen Lohnfür gleichwertige Arbeit.
Unser heutigerSlogan heisst: wir haben ein Ziel: gleichviel. Gleich viel Lohn fürFrauen wie für Männer, dann alles andere ist eine stossende Ungerechtigkeit.Als Politikerin habe ich auch in einem anderen Bereich das Ziel: gleichviel.wir haben heute 4 Frauen im Bundesrat doch in National- und Ständerat sind wirFrauen krass untervertreten. Aline Trede und ich sind Vizepräsidentinnen derGrünen Frauen. Wir haben heute unseren gemeinsamen Wahlkampagne lanciert: MehrPowerfrauen im Parlament! Geht alle im Herbst wählen und sorgt dafür, dassmöglichst viele Frauen das Ziel Bundeshaus auch erreichen werden.

Kommentare (1)
Sturm Bernhard
sagte:

Busen und Rock
Mit Atombusen und gelupftem Mikrorock für Grün. Das freut das emanzipierte Männerherz aber :-)Und das im 2. Weltkrieg die Frauen an die Säcke mussten, weil die Männer im Krieg waren, machen uns die Grünen Frauen auch wieder einmal klar .
Sehr gute subliminale Kommunikation. Da wird endlich auch mal das etwas konservativ-chauvinistische Publikum angesprochen...
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