Aus der Finanzkrise ökologischen Profit schlagen
Sir Nicolas Stern hat letzte Woche im Rahmen des Klimaforums in Thun einen brisanten Vergleich zwischen Finanzkrise und Klimawandel gemacht. Beiden sei eigen, dass die Probleme zwar bekannt gewesen seien, dass der Staat aber in beiden Fällen viel zu lange mit Einschritten gewartet hätte, lautet sein Fazit. Stern weiss wovon er spricht. Er war von 2000 bis 2003 Chefökonom der Weltbank. 2006 untersuchte er die Kosten des Klimawandels. Er leitete her, dass die Auswirkungen des Klimawandels viel teurer seien als konsequente Gegenmassnahmen zu ergreifen. Investitionen für einen effektiven Klimaschutz würden etwas ein Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung kosten, weiter machen wie bisher wäre hingegen um fünf bis zwanzig Mal teurer.
Von daher ist es fehl am Platz, wenn sich unser Bundesrat nun mit seinem „Nichts tun“ in der Finanzkrise brüstet. Die Schweiz hat bis anhin davon profitiert, dass viele andere europäische Länder gehandelt haben. Die öffentliche Hand muss offenbar einmal mehr das Desaster ausbaden, das Private verursacht haben – ganz gemäss dem Grundsatz: „Die Gewinne privat, die Verluste dem Staat“. Die Finanzkrise hat uns klar vor Augen geführt, dass die Selbstregulierung des Finanzsektors ist ein Mythos. Ist. Die neoliberale Politik mit Privatisierung, Deregulierung und Kaputtsparen des Staates hat Schiffbruch erlitten. Wir müssen uns nun dafür einsetzen, dass der Finanzmarkt reguliert wird. Und das kann nur international erfolgreich passieren. Die Finanzkrise zeigt aber auch deutlich, dass die Finanzhaie grosse Teile der Wirtschaft mit in den Strudel ihrer Spekulationsgeschäfte gezogen haben. Weil das Kapital und der Profit von Wenigen die Welt regiert , läuft die Wirtschaft Gefahr, in eine Rezession zu schlittern. Deshalb brauchen wir dringend eine aktive Wirtschaftspolitik, die auf Nachhaltigkeit setzt, und damit eine Rezession abwenden hilft. So können wir unsere Wirtschaft stärken und gleichzeitig den ökologischen Umbau einläuten. Ein solches Programm könnte folgende Punkte umfassen::Bereits beschlossene Investitionsvorhaben der öffentlichen Hand sollen rasch umgesetzt werden. Dazu gehören insbesondere geplante Massnahmen im Hochwasserschutz und für Bahnprojekte. Anreize für ein energetisches Gebäudesanierungsprogramm sollen rasch verwirklicht werden. Damit lancieren wir ein Gebäudeerneuerungsprogramm im Interesse unserer Wirtschaft und unseres Klimas. Neubauten in der Schweiz werden konsequent nach Minergie-P Standard realisiert. Damit schaffen wir Arbeitsplätze und erwerben viel Know-How in einem zukunftsträchtigen Bereich.Pilotregionen in der Schweiz setzen sich die Energieautarkie auf der Basis von regionalen Ressourcen und nachhaltiger Regionalentwicklung zum Ziel. Güssing in Österreich hat ides bereits vorgemacht. 1988 zählte diese Gegend noch zu den ärmsten Regionen in Österreich. 1990 wurde in Güssing ein Modell ausgearbeitet, das den hundertprozentigen Ausstieg aus der fossilen Energieversorgung vorsah. Mit Erfolg – seit 2001 ist Güssing energieautark. Innerhalb von 15 Jahren wurde diese Region zu einer Gegend mit hohem Lebensstandard und Lebensqualität.
Für solche Massnahmen ist nun der Bund gefordert. So kann die Schweizer Wirtschaft die nötigen zusätzlichen Impulse erhalten, um nicht in eine Rezession mit erneuter tausendfacher Vernichtung von Arbeitsplätzen, Qualifikationen und Existenzen zu rutschen. Statt den Banken eine Finanzspritzen zu geben, schlagen wir lieber aus der Finanzkrise Profit und bauen unsere Wirtschaft ökologisch um. Das zahlt sich mehrfach aus.Kommentare (11)
Ben Palmer
sagte:

...
"Die öffentliche Hand muss offenbar einmal mehr das Desaster ausbaden, das Private verursacht haben"Wenn es denn so einfach wäre ...
Tatsache ist, dass es sich bei den eigentlichen Verursachern der Krise um halbstaatliche Kreditinstitute handelt, die vom Staat gezwungen wurden, billige Kredite an insolvente Kreditnehmer ohne Eigenkapital zu vergeben und dafür vom US Staat Garantien erhielten, die er jetzt natürlich einlösen muss.
"In der Finanzkrise soll der Staat nun als letzter Retter helfen. Sein Vorteil ist nicht, dass er klüger ist als die Privaten, sondern dass er selbst die Regeln setzt."
http://www.ftd.de/meinung/leitartikel/:Kolumne-Christian-Schtte-Die-Logik-des-Notstands/422039.html
B. Sturm
sagte:

Null Ahnung
@ben palmer: wenn man keine Ahnung hat, sollte man besser schweigen: falls für Sie Lehman Brothers, Bear Sterns, Goldman Sachs, Merril Lynch, AIG, Hypo Real Estate, Morgan Stanley.. halbstaatliche Unternehmen sind, dann haben Sie in den letzten 3 Monaten keine vernünftige Zeitung aufgeschlagen oder Sie haben tatsächlich Null Ahnung.
Ben Palmer
sagte:

Keine Ahnung ...
B. Sturm: Was haben Sie nicht verstanden? Sehen Sie"The main thrust of the Clinton housing strategy was to increase home ownership among the poor, and particularly among blacks and Hispanics.
....
Achtenberg [Assistent Secretary unter Clinton] believed racism was a big factor in keeping minorities from enjoying the same level of home ownership as whites. She doubted if much could be done to change people's attitudes on racial matters, but she was confident she ... could use the law to change the behaviour of banks."
http://snipurl.com/4e4vv
Und ich habe auch Dokumente gelesen:
"In the past year, we have carried out a number of tasks, including issuing the interim rule governing the housing goals for 1993 and 1994, working out detailed reporting formats with Fannie Mae and Freddie Mac, approving new-program requests, conducting research for reports to Congress, drafting the final regulation under the GSE Act, and reviewing the GSE's compliance with the housing goals."
http://snipurl.com/4e5l2
B. Sturm
sagte:

Ratingagenturen und nicht Clinton
Lieber Herr Palmer: Fannie Mae und Freddie Mac waren nicht verantwortlich für die Kreditkrise auf dem US-Immobilenmarkt. Verantwortlich waren unter anderem Ratingagenturen (Standard & Poor's und Moody's) welche oft Triple A für Suprimes verteilten. Und wenn Sie glauben, dass Ratingagenturen Triple A's für Suprimes aus philantropischen Gründen verteilen (was Ihr erstes Zitat zu suggerieren scheint) ehrt Sie das zwar, aber zeugt auch von einiger Naivität.Aber es freut mich sehr, dass Sie Dokumente lesen. Ich hoffe Sie lesen die richtigen.
Ben Palmer
sagte:

...
Ratings sind Richtwerte und keine Garantien. Die Risiken bei falscher Einschätzung tragen die Kreditinstitute und nicht die Ratingagenturen. FM/FM waren in jeder Hinsicht privilegierte Finanzinstitute die von impliziten Staatsgarantien profitierten. Das erklärt auch die überhöhten Ratings.Ist das das richtige Dokument?
http://www.cbo.gov/doc.cfm?index=2839&type=0
B. Sturm
sagte:

Wirre Theorien
Lieber Herr Palmern, ich lese Ihre Beiträge jeweils mit einer gewissen Freude und Belustigung. Auch in diesem Fall komme ich nicht um ein Schmunzeln rum: wenn ich Ihre Meinung hier richtig interpretiere, hängen Sie der Theorie nach, dass wir keine Finanzkrise hätten, wenn man nur die freie Finanzwirtschaft hätte machen lassen. Nach dieser Theorie hat der Staat zu sehr eingegriffen und nun kanns die liberalisierte Wirtschaft ausbaden.- Interessant ist, dass die Finanzkrise ihren Ursprung in den USA hat - nicht gerade das Land, dass für eine streng regulierte Wirtschaft bekannt ist. So waren - im Gegensatz zu Deutschland und England - Shorter-Deals bis vor kurzem in den USA erlaubt.
- Ratingagenturen werden nicht staatlich geprüft. Sie stellen einen Pfeiler Ihres liberalen Finanzsystems dar. Ob ein Investmentbanker einer Ratingagentur glauben will oder nicht, bleibt tatsächlich ihm überlassen. Aber an der Kompetenz von renommierten Ratingagenturen zu zweifeln, wäre etwa so dumm, wie an der Kompetenz des TÜVs zu zweifeln, wenn Sie ein neues Auto kaufen möchten. (Sie verstehen das sicher: Vertrauen ist das Geschäftsmodell von Ratingagenturen).
- Zu glauben, dass die globale (sic!) Kreditkrise wegen 2 staatsnahen (das ist nicht dasselbe wie 'halbstaatlich'!) US-Kreditinstituten ausgelöst wurde, unterstellt dem US-Staat wohl etwas zu viel Gewicht in Sachen Marktregulierung und würde gleichzeitig die Schwäche eines deregulierten Marktes beweisen: wenn zwei lokale Kreditinstitute den gesamten globalen (nach Ihrer Lesart: gesunden) Finanzmarkt in die Knie zwingen können, ist wohl tatsächlich was faul. Aber eher mit Ihrer Theorie :-)
Ben Palmer
sagte:

Wirre Fantasien
"In einem Artikel, der am Mittwoch in der Prager Tageszeitung „Mlada Fronta Dnes" erschien, warnte Klaus vor der Vorstellung, durch eine globale Wirtschaftssteuerung die zyklischen Krisen beseitigen zu können, die nun einmal zur freien Marktwirtschaft gehörten. Der Versuch, sich dieser Krisen, des Rückgangs des Wirtschaftswachstums und der Rezession ein für allemal zu entledigen, sei schon einmal unternommen worden: „Er nannte sich Kommunismus."...
Für die gegenwärtige Finanzkrise macht Klaus „exzessive staatliche Eingriffe, unverantwortlich hohe Staatsausgaben und eine schlechte Regulierung der Finanzmärkte" verantwortlich. Die Eingriffe der amerikanischen und europäischen Regulatoren hätten die Finanzinstitute zu riskanten Aktivitäten in nichtregulierten Märkten und zur Verschleierung dieser Risiken durch hochkomplizierte Finanzprodukte veranlasst. Klaus fragt, ob nun jene, die die Krankheit verursacht hätten, sie auch heilen sollten?"
http://snipurl.com/4m91l
Ben Palmer
sagte:

Profit? Ist das nicht ein Unwort?
"Aus der Finanzkrise ökologischen Profit schlagen"Offenbar haben die EU-Staaten erkannt, dass CO2-Reduktion und die damit verbundenen Kosten nicht vertretbar sind, weil sie die Wirtschaft (entgegen den Schönmalereien) belasten. Sie wurden in Folge der Finanzkrise weitgehend gestrichen.
Selbst wenn GB die CO2-Emissionen um 90% senken würde, wäre das Ergebnis gemessen an den Kyoto-Kriterien nur eine um 1/500 °C reduzierte Temperaturanomalie ... wenn überhaupt.
Ben Palmer
sagte:

...
Herr Sturm: "Interessant ist, dass die Finanzkrise ihren Ursprung in den USA hat - nicht gerade das Land, dass für eine streng regulierte Wirtschaft bekannt ist."... aber dafür selektive Eingriffe des Staates in das Marktgleichgewicht, mit verheerenden Folgen.
"Die beiden grössten Kreditgeber Amerikas, Fannie Mae und Freddie Mac, hatten die (politische) Aufgabe, gezielt die amerikanische Unterschicht zum Kauf von Eigenheimen zu motivieren ...
Die beiden formell privaten Institute erfreuten sich einer faktischen Staatsgarantie, spezielle Regulierungen bevorteilten sie, dafür nahmen sie in Kauf, dass die Politiker ihnen Auflagen machten. Noch vor fünf Jahren garantierte der demokratische Kongressabgeordnete Barney Frank die «Gesundheit» der beiden staatsnahen Hypothekarbanken und kritisierte die Bundesregierung, die «wahrscheinlich viel zu wenig getan hat, damit arme Leute sich ein Eigenheim leisten konnten»"
Quelle: Weltwoche.
Wenn Sie die Meinung vertreten, dass der "Staat" es besser machen könnte, dann müsste es ja irgendeinen Übermenschen geben, der über alles Bescheid weiss und hellseherische Fähigkeiten hat, gleichzeitig müsste dieser Mensch zufällig(?) beim Staat arbeiten (obwohl er in der Privatwirtschaft mehr verdienen könnte).
Dann sehen Sie sich doch einmal an, was die Politiker, die im Aufsichtsrat der deutschen KfW sitzen, mit ihrem institut angestellt haben. Steinbrück, Lafontaine und Co.
Erinnern Sie sich an die Krisen bei den Kantonalbanken Bern, Waadt und Appenzell? Offenbar war da der Übermensch gerade abwesend oder politisch anderweitig engagiert. Banking ist kein Freizeitjob.
B. Sturm
sagte:

Der fatale Glaube an den Staat
Mein lieber Herr Palmer, ich entnehme Ihren hektisch aufgeregten Kommentaren, dass Sie sich doch sehr mit der Thematik der letzen Wochen zu beschäftigen scheinen. Nur damit wir uns verstehen: kein einziger Staat hat irgendeine Bank zu irgendwas gezwungen. Im Gegenteil: es ist und bleibt den Banken freigestellt ob sie die Unterstützung der jeweiligen Staaten in Anspruch nehmen wollen.Wenn Sie nun eifrig Schweinezyklen und Weltwoche heranzitieren, dann dürfen Sie nicht vergessen, dass der freie Markt hier immer noch voll spielt: wenn die UBS die Staatshilfe nicht will, darf sie sich voll und ganz dem Schweinezyklus hingeben und auf die deregulierte Marktwirtschaft bauen. Das ist und bleibt ein Management-Entscheid. Der Joe Ackermann der Deutschen Bank zieht diesen Weg vor. Es sieht aber ganz so aus, als würde die UBS lieber an den Staat glauben als an die selbstreinigenden Kräfte des Marktes.
Walter Koller
sagte:

Ungerechtigkeit
Wer ist schuld an der Finanzkrise? Mich interessiert das eigentlich wenig. Mich interessiert viel mehr, wir wir im Interesse der Allgemeinheit das Problem lösen. Mit schreiender Ungerechtigkeit.Banker-Millionären, die ihre privaten Unternehmen in den Ruin getrieben haben, werden mit Milliarden Staatsgeldern gestützt, ohne dass genügend Bedingungen gestellt oder auf das private Vermögen dieser Reichen gegriffen wird.
Anders macht es der Staat bei den Armen. IV- und AHV-Rentnern, die für den existenziellen Lebensbedarf auf Gelder des Staates angewiesen sind. Sie erhalten nur Unterstützung, wenn sie ruinöse Bedingungen akzeptieren:
> Wer hierzulande Ergänzungsleistungen EL zur AHV/IV beziehen will, muss sein gesamtes Vermögen über 25'000 (inkl. Hausrat) innerhalb von fünf Jahren "verzehren" (von den berechneten EL werden jährlich 20% des Vermögens als Einkommen abgezogen).
> Bank- und Postkontozinsen werden als Verdienst von den EL abgezogen.
> Jeder noch so kleine Zusatzverdienst (über 1000 Fr. pro Jahr) wird an den EL abgezogen.
> Mieten über 1'100.-- monatlich (inkl. Nebenkosten) werden nicht berücksichtigt.
> Hauseigentum-Vermögen über 75'000.-- (z.B. das kleine Einfamilienhäuschen, für welches ein Leben lang gearbeitet und gespart wurde) muss ebenfalls abgebaut werden und wird jährlich als "Vermögensverzehr"-Einkommen von den EL abgezogen. Als ob man mit Dachziegeln Essen kaufen könnte.
Es ist eine schreiende Ungerechtigkeit, wie der Staat bei finanzieller Unterstützung zwischen Armen und Reichen differenziert. Das ist die Wut, die ich aus meinem Bauch nicht rauskriege...
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