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919 Schüler ohne Anschluss

Die Zeitungsmeldung mit dem Titel „919 Schüler ohne Anschluss“ hat mich heute aufgeschreckt. Trotz Wirtschaftsaufschwung haben im Kanton Bern 919 Schülerinnen und Schüler am Ende ihrer obligatorischen Schulzeit keine Lehrstelle oder ein anderes Angebot in Aussicht. 919 Jugendliche ohne Perspektive, 919 Schicksale.

  

Das Schuljahr geht am Freitag zu Ende. Bei uns freut sich die ganze Familie: endlich Ferien. Doch wie ist es wohl den 919 Jugendlichen zu Mute, habe ich mich heute bei der Zeitungslektüre gefragt, die am Ende ihrer obligatorischen Schulzeit keine Vorfreude haben, auf das, was nach den Ferien kommt. Wie fühlt sich wohl ein Jugendlicher, der nach 9 Schuljahren zu spüren bekommt, dass er oder sie für eine Lehrstelle immer „unerwünscht“ ist. Das lässt niemanden kalt, das nagt am Selbstvertrauen. Gesamtschweizerisch finden jährlich gegen 3000 Kinder weder ein Brückenangebot noch einen Hilfsjob, geschweige denn eine berufliche Grundbildung. 60% sind Schweizerinnen und Schweizer. Der fehlende Anschluss ist kein Migrationsproblem, viel mehr ein soziales Problem. Unter diesen Jugendlichen gibt es auch einige, die ihren Frust darüber mit ungeeigneten Mitteln ausdrücken – zum Teil eben mit Gewalt. Damit komme ich zu einem anderen Thema, das mich gestern schockiert hat. Gewalttätige Kinder gehörten bereits unter 15 Jahren ins Gefängnis. Diese Forderung ist eine Katastrophe und kontraproduktiv. Freiheitsstrafen für Jugendliche unter 15 Jahren bringen nichts, vielmehr erschweren sie die Integration von gewalttätigen Jugendlichen enorm. Präventive Massnahmen müssen bei Jugendlichen Vorrang haben vor repressiven. Die Sorgen und Ängste der Jugendlichen müssen wir alle ernst nehmen, als Eltern, als Lehrer oder als Politikerin. Politikerinnen und Politiker, welche die Jugendgewalt wirklich bekämpfen wollen, müssen über die Parteiengrenzen hinweg ein Ziel haben: die sozialen Ursachen von Jugendgewalt wie Jugendarbeitslosigkeit, Jugendarmut und Lehrstellenmangel müssen gezielt bekämpft werden.

 

Zurück zu den 919 Jugendlichen im Kanton Bern, die im Moment noch ohne Anschluss an die Berufswelt dastehen. Ich wünsche mir, dass dieses Jahr kein Jugendlicher auf der Strecke bleibt. Alle Arbeitgeber im Kanton Bern sind gefordert, noch zusätzliche Lehrstellen zu schaffen. Und die Kantone müssen Betriebe unterstützen, die dies wünschen und Jugendliche begleiten, die dies benötigen. Ich bin froh, dass der Schweizerische Gewerkschaftsbund hier achtsam ist.

Kommentare (3)

M.Tognola sagte:

Traurig

Diese Meldung stimmt mich zuerst einfach traurig. Das Gefühl, nicht benötigt zu werden nagt am Selbstvertrauen. Das muss schrecklich sein. 919 ist eine Zahl. Dahinter sind Geschichten, Gesichter, Hoffnungen, Wünsche. Gibt es nicht Platformen (Zeitung?) wo sich diese Jugendliche präsentieren können? Und wieder ein Gesicht bekommen? Und: Wollen wir selber immer das günstigste Angebot? Oder unterstützen wir auch Firmen, die Lehrlinge ausbilden? Kürzlich las ich von einem Laden (Volg?), das nur von Lehrlingen geführt wird. Das wünschte ich mir auch in Bern.
05. Juli 2007

skeptiker sagte:

na ja...

Wenn man die europäischen Statisitiken anguckt, so sind wir in der Schweiz ziemlich auf Rosen gebettet: 25% Jugendarbeitslosigkeit in Italien, EU-weit: 15%. Bei uns sind es knappe 5%. Zudem nimmt die Jugendarbeitslosigkeit konjunkturbedingt ab. Als ich in den 80er eine Lehrstelle suchte, musste ich 30 Bewerbungen schreiben, bis ich eine Stelle bekam. Es war zwar nicht die gewünschte, aber es war immerhin eine Lehrstelle. Ich glaube hier liegt auch das Problem: pro Jahr sind immer noch ca. 5000 Lehrstellen unbesetzt. Es gibt also keinen Lehrstellenmangel sondern eine Diskrepanz zwischen dem was die Jugendlichen suchen und dem was angeboten wird.
06. Juli 2007

F.Teuscher sagte:

...

Auch wenn Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz weniger schlimm ist als im europäischen Durchschnitt ist jeder Jugendliche ohne Berufsausbildung einer zu viel. Es nützt auch nichts, wenn Jugendliche eine Lehrstelle annehmen, die ihnen nicht entspricht. Denn erfolgreich kann man eine Lehre nur absolvieren, wenn Fähigkeiten, Interessen und Motivation stimmen.
06. Juli 2007

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