Finanzkrise, Klimakrise und Autosalon, eine etwas spezielle Mischung...
Das Genfer Palexpo war für rund zwei Wochen ganz dem Automobil gewidmet: Autos, Heftli und Frauen - alles auf Hochglanz... Dennoch ist die Finanzkrise auch im Autosalon angelangt: Erstmals seit langem lagen die Zuschauerzahlen deutlich unter dem Vorjahresschnitt. Einige Marken erahnten dies schon im Voraus und reduzierten kurz vor Beginn drastisch die Anzahl der engagierten Präsentationsdamen. Doch vor der Fassade präsentiert sich einem das Ganze doch als glänzende Glamourwelt: Autos in allen Formen und Farben umschwirrt von Staubwedel schwingenden Putzteams ,welche den Stäubchen keine Ruhepause zu gönnen scheinen.
Was mich als VCS-Präsidentin am Autosalon interessiert: in welchem Ausmass liessen sich die Produzenten durch die Klimakrise inspiriere? Die Werbung im Zug deutete an, dass sich die Verantwortlichen des Autosalons gerne einen grünen Anstrich verpassen möchten. Nach kurzem Umherschlendern in der Masse begebe ich mich den auch in den „Pavillon Vert“, in welchem die grünen Innovationen im Bereiche Automobil ausgestellt sind. Obwohl ich nur mit mässigen Erwartungen eintrete, bin ich trotzdem enttäuscht: Zwar ist der CO2-Wert in vieler Munde, doch werden kleine Verbesserungen als Innovationen dargestellt. Die Kundinnen und Kunden werden gleichzeitig mit allerlei unnötigen Gadgets und Prospekten beladen. Ja, man könnte meinen sich, am „Taschen-Salon“ verirrt zu habe, sieht man all die über und über mit Taschen beladenen Leute herumpilgern. Ob all den Hochglanzprospekten auch die ihnen gebührte Aufmerksamkeit zukommt, bleibt zu bezweifeln – das Umweltimage somit angekratzt... Zudem werde ich das Gefühl nicht los, dass ein möglichst tiefer Verbrauch nur wegen finanziellen Hintergedanken bewundernde Blicke erntet. Der Durchschnittsbesucher des Autosalons ist leider nicht für Umweltanliegen sensibilisiert. Das Klischee des Salon-Besuchers als männlich und interessiert an grossen Dreckschleudern bestätigt sich mir leider öfters als lieb.
Dennoch, Klimaaspekte bleiben nicht unbeachtet. Der Pavillon Vert ist trotz des etwas unglücklichen Standortes gut besucht. Insgesamt verlasse ich dennoch etwas enttäuscht den Pavillon. Ausser dem Tesla-Auto gibt es eigentlich immer noch keine ernsthafte Alternative, welche den Spritfresser das Wasser reichen könnte.
Erstaunen tut vor allem, wie viel von umweltfreundlichen Technologien gesprochen wird und wie wenig tatsächlich bereits auf dem Markt ist. Unverständlich zudem, wieso gewisse umwelttechnisch fortgeschrittene Modelle auf dem europäischen Markt nicht angeboten werden. Glaubt man den Besucherinnen und Besuchern, so wäre die Nachfrage tatsächlich vorhanden. Braucht es hier Druck und Anreize um die Anbieter zu locken oder wo liegt der Hacken? Schweizweit gibt es keine einheitliche Unterstützung. Gewisse Kantone sind hier fortschrittlich andere rückständig. Schade, dass wir noch keine nationale Regelung haben, ist doch die Förderung umweltfreundlicher Fahrzeuge heutzutage eine Notwendigkeit.
Oder wäre es wohl sinnvoller vermehrt in die Forschung zu investieren? Denn das vorhandene Potenzial wird mit dem schwindenden Erdöl immer deutlicher spürbar...
Mit solchen Gedanke begebe ich mich auf die Heimfahrt. Ich bin glücklich, dass zumindest der VCS mit seiner Autoumweltliste (www.autoumweltliste.ch) denjenjenigen Leuten eine Hilfe anbieten kann, welche beim Kauf eines Autos auch die Umweltaspekte miteinbeziehen wollen und nicht nur die Tourenzahl. Der Zug windet sich am Genfersee entlang, die Stimmung mit der untergehenden Sonne ist friedlich. Ich bin glücklich, dass ich mich darob freuen und meinen Gedanken nachhängen kann, ohne dabei an Steuerrad und Gaspedal denken zu müssen.
Kommentare (3)
Ich
sagte:

...
Sehr schön beobachtet...!!
Joachim Distel
sagte:

Bewundernswert!
Liebe Frau Teuscher,Ich bewundere Ihre Sozialkompetenz, dass Sie mit dem Besuch am Autosalon für einen Tag in diese tiefe Schublade hinabsteigen konnten. Bravo!
vivendi
sagte:

...
"... freuen und meinen Gedanken nachhängen kann, ohne dabei an Steuerrad und Gaspedal denken zu müssen."So sind Menschen eben individuell verschieden. Dem einen macht es Spass, dem anderen nicht. Wollen Sie das ändern?
Kommentar schreiben
Trackback (0)
TrackBack URI für diesen Eintrag

