Arbeit statt Sozialhilfe

Am kommenden Samstag steht „Weltflüchtlingstag“ vorgedruckt in der Agenda. Mich beschleicht das Gefühl, dass an diesem internationalen Mahntag, an dem auf die Situation und die Probleme der Flüchtlinge aufmerksam gemacht wird, in erster Linie viel geredet wird. Viele Appelle und wenig Fassbares.

Da kommen konkrete Projekte und Initiativen wie gerufen, die Taten statt Wort sprechen lassen. Ich finde es wichtig, dass wir immer wieder über engagierte Menschen und Organisationen, über ihre Ideen und ihre wertvolle Arbeit sprechen und uns nicht von den schrecklichen Meldungen aus den Medien erschlagen lassen.

So zum Beispiel über das neue Projekt von Caritas Bern mit dem Ansatz „Social Impact Bonding“, zu Deutsch: Sozialanleihe. Das Credo ist Arbeit statt Sozialhilfe. Das Hilfswerk will zusammen mit privaten Investoren die Arbeitsvermittlung für anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene in den Arbeitsmarkt vorantreiben und ihnen somit die Möglichkeit geben, ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Die Projektkosten von 2,7 Mio. haben Investoren (gemeinnützige Stiftungen) zugesichert.

Wenn es gelingt, die Fähigkeiten und Talente der Flüchtlinge zu erkennen und entsprechend zu nutzen, gepaart mit den nötigen Sprachkompetenzen, kann auch eine Eingliederung in den Arbeitsmarkt gelingen. 120 Flüchtlinge nehmen an diesem Programm im Kanton Bern teil und die Erwartung der Kantonsregierung sind gemäss Philippe Perrenoud, Sozialdirektor des Kantons Bern klar:

a)      Verbesserung Lebenssituation der anerkannten Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommenen.

b)      Einsparungen in der Sozialhilfe. Denn 50% der anerkannten Flüchtlinge und 70% der vorläufig Aufgenommenen sind von der Sozialhilfe abhängig.

Das Programm startet im September 2015 und läuft über 5 Jahre. Hören Sie dazu den Kurzbeitrag aus dem „Echo der Zeit“ von Radio SRF 1 vom 16.6.15.

Wenn wir uns der sozialen und solidarischen Verantwortung stellen, ist jeder Tag ein Weltflüchtlingstag.

 

 

BNE ?!

Auch schon gehört. Oder war es BSE, BMW, MFG oder SCB?

Nicht immer aber immer öfters verstecken sich ja hinter den Abkürzungen gescheite und nützliche Begriffe. Und wenn sich auch noch hinter dem Begriff etwas Gescheites verbirgt finde ich es umso spannender. Das ist bei BNE unbedingt der Fall. Die Abkürzung – für diejenigen, die es nicht kennen –  steht für Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Die UNESCO Weltdekade 2005-2014 war der Bildung für Nachhaltige Entwicklung gewidmet. Die ist nun seit ein paar Monaten passé und es stellt sich die Frage: wie war’s und wie weiter?

An der nationalen Bildungstagung Horizons21 von éducation21 vom Samstag, 9. Mai 2015 wurde eine erste positive Bilanz der BNE-Projekte in der Schweiz gezogen und in den internationalen Kontext des Global Action Programme on Education for Sustainable Development gesetzt.

Impressionen und einen Einblick, was an dieser Tagung lief finden Sie unter: http://www.education21.ch/de/horizons21

Als grüne Bildungsdirektorin der Stadt Bern stelle ich mir schon länger die Frage, wie eine Nachhaltige Entwicklung – die alle Bereiche der Nachhaltigkeit gleichwertig abdeckt – in der Schule gelebt und gefördert werden kann. Gemeinsames Gestalten von SchülerInnen und Lehrpersonen ist eine wichtige Voraussetzung, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung gelingen kann. Gute Beispiele weisen uns den Weg.

http://www.education21.ch/de/schule/gute-schulprojekte

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Drahtesel los

Die Temperaturen steigen, die Vögel zwitschern wild und die Sonne strahlt mild vom Himmel. Höchste Zeit sich auf den Velosattel zu schwingen, falls Sie nicht zu denen gehören, die zäh auch durch den Winter strampeln.

Vor kurzem habe ich im Berner Anzeiger ein Foto entdeckt, aufgenommen um 1899. Es zeigte die Velofahrschule am Kornhausplatz wo heute das Stadttheater steht. Anno dazumal mussten sich die Velofahrenden ja wie die Autofahrenden registrieren und eine Nummer lösen.

Wie im kleinen Beitrag darüber im Anzeiger vom 18. März 2015 zu lesen war, waren die Velofahrenden nicht überall gern gesehen. Das zeigt ein kleiner Auszug aus der „Polizei-Verordnung betreffend das Radfahren“ von 1896: „Es ist verboten, das Vorbeifahren von Radfahrern mutwillig zu hindern, den Radfahrern Hunde anzuhetzen, Gegenstände in die Speichen des Vehikels zu werfen oder andere gefahrdrohende Hindernisse in den Weg zu legen.“ (Quelle: Burgerbibliothek Bern, FN. G.C.992)

Ich bin froh, dass wir heute das Problem mit den aufgehetzten Hunden oder das mit den Gegenständen in die Speichen werfen nicht mehr antreffen. Was die Hindernisse betrifft, sind wir dran, diese aus dem Weg zu räumen. Auch wenn schon einige Massnahmen umgesetzt wurden, sind wir lange noch nicht soweit, wie ich mir das für die Velostadt Bern wünsche.

Der Gemeinderat hat sich die Veloförderung gross auf die Fahne geschrieben und bereitet die Velo-Offensive vor. Ich werde meinen möglichen Teil dazu beitragen, dass dies in nützlichem Zeitraum auch geschieht. In meiner Direktion haben wir eine Arbeitsgruppe gebildet, in der wir Möglichkeiten ausloten, Menschen von jung bis alt zu motivieren, vermehrt mit dem Velo unterwegs zu sein. Es ist schade, dass insbesondere Kinder und Jugendliche weniger mit dem Fahrrad unterwegs sind als auch schon.

Veloförderung findet auf der Strasse statt und da lagen die BernerInnen vor über hundert Jahren gar nicht einmal so falsch mit der Velo-Fahrschule. Nicht nur die Kinder sollen lernen wie sie sich als Velofahrende im Strassenverkehr bewegen. Denn Erwachsene verzichten zum Teil auf die Fahrt mit dem Drahtesel, weil es ihnen zu gefährlich erscheint. Das darf nicht sein. Ist doch das Velo für die Städte das ideale Fahrzeug. Deshalb finde ich die Velofahrkurse von Pro Velo für Erwachsene – auch für MigrantInnen, die sich an ein neues Verkehrssystem gewöhnen müssen – oder Familien empfehlenswert. Übung macht Meisterinnen und Meister, n’est-ce-pas?